Lernen mit der Lernkarteibox

Vokabeln lernen mit der Lernkarteibox.

Lernen ohne zu vergessen, das verspricht das Lernen mit der Lernkarteibox und das nicht nur für das Pauken von Vokabeln. Auch Formeln, Geschichtsdaten, Grammatik und viele andere Unterrichtsstoffe sollen sich so leichter einprägen, denn gelernt bzw. wiederholt wird nur, was noch nicht sitzt. Dafür hat man eine Lernkarteibox zur Verfügung, die, je nach Ausstattung, in drei bis fünf oder noch mehr Fächer unterteilt ist. Das erste Fach, hier landen alle Karteikarten mit dem Stoff (zum Beispiel den Vokabeln), die neu sind und gelernt werden müssen, ist das schmalste. Die Fächer dahinter werden meist breiter.

Wie funktioniert das Lernen mit der Lernkarteibox genau?

In das erste Fach kommen die neuen Vokabeln und später all die Vokabeln, die beim Wiederholen nicht auf Anhieb gewusst wurden. Das erste Fach wird voll gepackt und nun geht es von vorne nach hinten durch. Wenn der Stoff einer Karteikarte gewusst wurde, dann wandert diese in Fach zwei. Wurde sie nicht gewusst, kommt sie an das Ende von Fach eins. Ist man einmal durch, wird aufgefüllt.

Tipp – Lernen lieber in kurzen Einheiten

Natürlich kann man so mehrere Stunden verbringen, insbesondere wenn die Vokabeln nur aufgefrischt werden, macht es auch richtig Spaß zu sehen, wie sich Fach zwei mehr und mehr mit gewussten Stoff auffüllt. Dennoch sollte man nicht übertreiben und lieber eine kurze Lerneinheit einlegen. Lieber jeden Tag 15 Minuten Vokabeln lernen, als einmal die Woche zwei Stunden.

Tipp – Lernbox ist auch zum Abfragen geeignet

Natürlich kann die Lernbox auch genutzt werden, um sich gegenseitig abzufragen oder sich von den Eltern abfragen zu lassen. Hier sollte aber vorher geklärt werden, was richtig bedeutet. Reicht es eine Übersetzung zu wissen? Müssen mehrere genannt werden?

Wenn Fach zwei endlich voll ist

Wenn Fach zwei endlich voll ist, geht es daran, hier Platz für Vokabeln aus Fach eins zu schaffen. Allerdings gehen wir nun nicht das gesamte Fach zwei durch, sondern nur einen Finger breit. Was gewusst wurde, kommt in Fach drei, was nicht richtig gesessen hat wieder in Fach eins zurück. Ist wieder Platz in Fach zwei, geht es wieder mit Fach eins weiter. Hier warten nun hoffentlich nicht allzuviele Vokabeln darauf, die erneut wiederholt werden müssen, also können direkt wieder neue Vokabeln nachgeschoben werden. Ist allerdings durch das Durcharbeiten von Fach zwei nun Fach drei übervoll geworden, wird erst hier wieder Platz geschoffen. Was gewusst wurde kommt in Fach vier, was nicht gewusst wurde fängt wieder in Fach eins an.

Lernen mit der Lernkarteibox – eigentlich ganz einfach oder?

Für ein wenig Unordnung sorgen

Gerade am Anfang weiß man Vokabeln, die man einfüllt bereits. Du solltest aufpassen, nun nicht nach Gruppen zu lernen und zum Beispiel alle Farben als Vokabeln an einem Stück durchzugehen. Unser Gehirn merkt sich Zusammenhänge, das gilt auch für Zusammenhänge, die beim lernen entstehen. Und so könnte es passieren, dass uns die Übersetzung einer Vokabel nicht einfällt, wenn sie aus dem für uns gewohnten Zusammenhang gerissen wird. Daher Gruppen mischen.

Überlegen was ausreicht

Häufig haben Vokabeln ja mehr als eine Bedeutung. Wenn man alle lernen möchte, sollte man auf der Vorderseite notieren, wie viele Bedeutungen den auf der Rückseite warten. Sonst kann es passieren, dass etwas aus Fach fünf zurück in Fach eins muss, nur weil man nicht mehr wusste, dass es fünf Bedeutungen gibt und nicht nur vier. Oder man schreibt alle Bedeutungen zwar auf, es reicht aber eben die wichtigste zu wissen (die oben steht) oder eine von denen, die auf der Rückseite stehen. Dann kannst Du beim umdrehen der Vokabel die anderen Bedeutungen zumindest noch einmal durchlesen und so deinen passiven Wortschatz erweitern. Die Regeln sollten allerdings nicht zwischendurch geändert werden.

Karteikarten am besten selber schreiben

Zum einen steht dann auf der Karteikarte genau das, was man lernen möchte und bereits das Aufschreiben hat einen gewissen Lerneffekt (vom Griffel in den Sinn). Und gerade bei Vokabeln lernt man auch genau die Bedeutung, die einem selbst wichtig ist.

Nur ein Wissen pro Karteikarte

Ich habe auch schon fertige Karteikartensysteme für Vokabeln gekauft. Die sind praktisch und wenn es nur darum geht, den passiven Wortschatz zu erweitern, auch nicht schlecht. Allerdings ist es sehr häufig vorgekommen, dass gleich mehrere Wissenslücken mit einer Karte geschlossen werden sollten und das finde ich unglücklich. Schließlich ist der große Vorteil dieses Systems, das man nur das oft wiederholt, was man eben noch nicht gut kann. Muss eine Karte zurück in Fach eins, weil eine Vokabel von dreien nicht gewusst wurde, ist das eigentlich Zeitverschwendung beim lernen.

Lernkarteisystem ist nicht nur für Vokabeln geeignet

Das Lernkarteisystem wird zwar besonders gerne für das Lernen von Vokabeln angewendet, du kannst damit aber auch viele andere Dinge lernen. Zum Beispiel Geschichtszahlen, Formeln und auch Grammatik. Eben alles, was auswendig gelernt werden muss und was sich leicht auf Karteikarten packen lässt. Während für das lernen von Vokabeln das DinA8 Karteikartenformat besonders praktisch ist, kann es bereits bei Formeln besser sein, etwas größere Karteikarten zu nutzen.

Lernkartei fördert selbständiges Lernen

Die Lernkartei ist eine gute Möglichkeit zu lernen, durch häufiges Wiederholen über einen durchaus längeren Zeitraum (das letzte Fach benötigt einfach sehr lange, um wirklich voll zu werden), werden die Vokabeln ins Langzeitgedächtnis eingeprägt. So gelingt es bald, das Gelernte auch nach längerer Zeit automatisch wieder abrufen zu können.

Wer hat es erfunden?

Erfunden hat das Prinzip der Lernkartei Sebastian Leitner bereits im Jahr 1973 (So lernt man lernen). Meine erste Lernkartei habe ich nach seiner Anleitung selber gebastelt, aus etwas stabilerem Papier und viel Klebefilm. Sie hat, obwohl sie alles andere als stabil aussah, einige Jahre durchgehalten, bis ein dickes Buch sie platt machte. Inzwischen gibt es eine große Auswahl an Lernkarteiboxen mit Trennern für die Fächer. Eigentlich benötigt man diese aber nicht. Es reicht ein Kästchen zu haben, in das die Karteikarten reinpasst und für die Trennung zwischen den einzelnen Wissensständen kann man mit erhöhten Karteikarten sorgen. Ordentlicher ist es aber sicherlich, eine richtige Lernbox zu verwenden.

Vorteile Lernen mit der Lernkartei

Das Lernen mit Karteikarten und Box ist vor allem dann erfolgreich, wenn du jeden Tag oder mehrfach die Woche wenigstens ein paar Minuten damit lernst. Die Karteikarten eignen sich allerdings nicht zum Nachschlagen von Wörtern. Eine große Gefahr besteht bei Wörtern, die man sich einfach nicht merken kann. Wörter, die es mühsam in Fach drei schaffen und von dort eigentlich sofort wieder in Fach eins wandern werden. Hier kannst du versuchen, diese noch mal extra zu lernen. Zum Beispiel habe ich mir irgendwann erlaubt, fünf solche Wörter auf farbige Karten zu schreiben und habe diese eine Zeitlang jeden Tag wiederholt und auch zwischendurch noch mal abgeschrieben. Ich habe sie mehrfach nachgeschlagen, mir ihre Übersetzung im Internet angeschaut, wo möglich, habe ich auch versucht zeichnerisch nachzuhelfen. Zwei Vokabeln habe ich dann irgendwann ehrenhalber in Fach fünf befördert.

Wie viele Fächer?

Bekannt ist die Methode mit der Lernkartei auch als Fünf Fächer Lernmethode (5 Fächer Lernmethode) oder eben als lernen mit der Lernkarteibox.

Statt fünf Fächer kann man natürlich auch mehr Fächer nehmen.

Lerntempo

Eine Empfehlung ist, dass man je nach Lerntyp und persönlicher Aufnahmefähigkeit wie folgt wiederholen sollte: Karten in Fach 2 alle zwei bis drei Tage, in Fach 3 alle zehn, Fach 4 alle 30 und Fach 5 nach 90 Tagen. Was man da noch kann, wird man normalerweise nicht mehr vergessen, die Karte kann entfernt werden. Wer sicher gehen möchte, bewahrt sie dennoch auf und wiederholt sie nach einem halben Jahr nochmal. Man muss aber auch nicht streng nach Tagen zählen. Es reicht, mit einem kleinen Fach anzufangen und jeweils das nächste Fach um das 1,4 bis 1,5fache größer zu machen und dann immer regelmäßig die volllaufenden Fächer abzuarbeiten. Das funktioniert aber am besten, wenn man am Anfang nicht übertreibt. Wir kennen das ja: Die Motivation ist in den ersten Tagen hoch und schnell hat man die ersten Fächer mit Vokabeln gefüllt und sich durchgearbeitet. Wenn dann eine längere Pause erfolgt, wandern beinahe alle Vokabeln, die es zuvor in nur drei Tagen von Fach eins bis Fach vier geschafft haben, wieder in Fach eins zurück. Frust ist vorprogrammiert.

Wofür die Lernkartei noch geeignet ist

Natürlich kann man nicht nur Vokabeln mit der Lernkartei lernen, es gibt noch einige andere (sinnvolle) Anwendungsmöglichkeiten:

  • Konkrete Daten, zum Beispiel aus der Geschichte.
  • Formeln.
  • Führerschein Regeln mit Beispielen.
  • Definitionen
  • Fremdwörter, zum Beispiel um den eigenen Wortschatz zu erweitern.
  • Kopfrechentraining

Warnhinweis – Karten müssen sorgfältig gewählt werden

Wer sich mit Hilfe der Lernkarteibox über fünf Fächer hinweg in 90 Tagen mühsam eingebläut hat, dass die Französische Revolution 1689 begonnen hat, wird es schwer haben, dies wieder aus dem Kopf zu bekommen. Das gleiche gilt auch für das falsche Lernen von Vokabeln und wenn es hier nur der falsche Casus wäre. Auch bei gekauften Karteikarten kann es durchaus passieren, dass man etwas unpassendes oder falsches lernt, auch hier sollte man im Zweifelsfall noch einmal nachschlagen. Bei den eigenen Vokabelkarten hilft auch nur Sorgfalt walten zu lassen. Beim anfertigen von Vokabeln kann es durchaus helfen, wenn man die fremdsprachliche Übersetzung zum Beispiel noch einmal durch einen Translator online überprüft oder eben nachschlägt. Lieber nur zehn oder zwanzig Karteikarten am Tag neu fertig machen und ins Lernsystem aufnehmen, als 40 oder 50 Karten, bei denen sich auf zwei oder drei dicke Fehler eingeschlichen haben.

Das Leitner-System ist bereits weltweit bekannt. Die Lernkarten (auch didaktische Karten, Erinnerungskarten oder Mnemonische Karten) können dabei übrigens nicht nur Wörter und Formeln enthalten, sondern eben auch ganze Sätze, Bilder, Symbolen und Zahlen. Sie sind perfekt geeignet sich Wissen anzueignen, auch unterwegs.