Florence Nightingale

Florence Nightingale

2020 wäre Florence Nightingale, die Dame mit der Lampe, die Frau, die die Krankenpflege im 19. Jahrhundert mit ihrem Einsatz revolutionierte, 200 Jahre alt geworden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO nimmt dies zum Anlass  das aktuelle Jahr zum Jahr der Krankenschwestern und Hebammen zu erklären. Ihr Geburtstag selber, der 12. Mai, ist bereits der Internationale Krankenpflegertag.

Wer aber war Florence Nightingale?

Die Pionierin der Krankenpflege wurde 1820 in Florenz (Italien) geboren. Zu diesem Zeitpunkt schien ihr Lebensweg vorgezeichnet, war Florence Nightingale doch aus gutem Hause: Heirat, Kinder und keine Arbeit und natürlich auch kein Beruf. In einem Roman über Nightingale heißt es: Rauschende Bälle, festliche Abendgesellschaften, dies sei die Welt ihrer Familie, die Welt des englischen Adels gewesen, dem sie sich mit ihrer Berufung für die Krankenpflege entzog. Dabei gab es mit Richard Monckton Milnes sogar einen beharrlichen Verehrer für die junge Nightingale. Er soll neun Jahre auf ein Ja gehofft haben und bekam 1849 endgültig einen Korb.

Obwohl Frau Nightingale eine berufliche Zukunft sicherlich nicht in die Wiege gelegt worden war, interessierte sie sich bereits als junges Mädchen für die Armen und Kranken. Zu einer der Geschichten rund um ihre Berufung gehört auch, dass sie ihren kranken Hund Cap gesund gepflegt haben soll.

Florence Nightingale war tief religiös. Es gibt Aufzeichnungen von ihr, demnach sie bei ihrer Berufung für die Krankenpflege einem Ruf Gottes folgte.

Krankenhäuser im Umbruch

Mit 25 Jahren entschied sie sich, sich der Krankenpflege zu widmen. Und so begann sie, zunächst gegen den Widerstand ihrer Familie, eine Ausbildung zur Krankenschwester. Dies war 1845, Krankenhäuser gab es – zumindest im britischen Empire – nur wenige, Krankenschwestern hatten kein gutes Ansehen. Es war üblich, dass Kranke zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt wurden. So waren öffentliche Krankenanstalten oft Versorgungsstätten für die Unterschicht. Und selbst diese versuchte zu vermeiden in ein Krankenhaus zu kommen, schließlich galten diese als schmutzig, sie stanken und die Sterberate in einem solchen war sehr hoch.

Wer es sich leisten konnte, ließ den Arzt zu sich nach Hause kommen. Der rasche medizinische Fortschritt führte aber zu einer Änderung. So wurde seit 1846 die Narkose entwickelt und dies eröffnete, gerade in der Chirurgie, ganz neue Möglichkeiten.

Sie hatte sich selbst weitergebildet und alles für sie erreichbare Material studiert, dass es über das Krankenhauswesen gab. Dabei beschränkte sie sich längst nicht auf englisches Material, sie besuchte auch entsprechende Anstalten im Ausland. So besuchte sie unter anderem in Kaiserswerth die Diakonissen unter Theodor Fliedner. Dort machte sie sich später auch praktisch mit der Pflege vertraut und lernte auch die Organisation kennen. 1853 weilte sie dann in Paris und lernte dort das System der Hospitäler kennen.

Zurück in der Heimat übernahm Florence Nightingale die Leitung eines Pflegeheims, in das vor allem Gouvernanten aufgenommen wurden. Der Krimkrieg sorgte dann für eine neue Aufgabe in ihrem Leben.

Der Krimkrieg

1853 begann der drei Jahre dauernde Krimkrieg zwischen Russland auf der einen Seite und dem Osmanischen Reich, Frankreich, das Vereinigte Königreich und Sardinien auf der anderen Seite. Am Ende siegten die Alliierten, der Preis war hoch. Begonnen hatte der Krieg als Russisch-Türkischer Krieg, in dem die Westeuropäischen Mächte eingriffen, um Russland daran zu hindern, sein Gebiet zu erweitern. Es war ein Krieg, der mit modernen Mitteln ausgetragen wurde. Wie viele Opfer dieser erste moderne Stellungskrieg der Weltgeschichte am Ende forderte? Von Zehntausenden bis zu mehreren Hundertausenden reichen die Angaben in unterschiedlichen Quellen. Ebenso waren es unzählige Verwundete. Was fehlten waren die Möglichkeit eben diese Verwundeten zu versorgen. So fehlten Sanitätshelfer ebenso wie Krankenschwestern. Bei schlechten hygienischen Verhältnissen war es nicht ungewöhnlich, dass Soldaten nicht auf dem Schlachtfeld starben, sondern an Krankheiten. Penicillin und Antibiotika gab es damals schließlich noch nicht.

Florence Nightingale soll die Krankenpflege organisieren

Die Britische Regierung beauftragte schließlich Florence Nightingale damit, die Krankenpflege auf dem Feld zu organisieren. Sie leitete in den Lazaretten von Skutari (ein Vorort von Istanbul) eine Gruppe von Krankenschwestern. Eine ihre ersten Maßnahmen war wohl mit ihren Mitstreitern für mehr Sauberkeit zu sorgen und mit anderen organisatorischen Mitteln für bessere Verhältnisse in den Lazaretten und Krankenlagern zu sorgen. Sie kümmerte sich um Hygiene und auch um eine bessere Ernährung der Verletzten.

Florence Nightingale

Die Dame mit der Lampe – Florence Nightingale.

Ihr Talent lag in der Organisation. Dennoch hatte sie auch Kontakt zu den Verwundeten. Da sie sich selbst persönlich um Verwundete und Kranke kümmerte und sich dabei ihren Weg mit einer Lampe leuchtete, erhielt sie auch den Beinamen Dame mit Lampe. Vor allem ihren Methoden sowie ihrem organisatorischem Talent war es zu verdanken, dass vielen Soldaten das Leben gerettet werden konnte. An der eigentlichen Pflege war sie wohl nur wenig beteiligt gewesen.

Auch wenn Florence Nightingale mit ihren Schwestern in Skutari einiges tun konnte, war die Bilanz des Krimkriegs eher verheerend. 97.800 britische Soldaten hatte es im Krimkrieg gegeben. Von diesen waren 2700 getötet worden und 1800 in der Folge von Verwundungen gestorben. Dazu kamen weitere 17.600 tote britische Soldaten in Folge von Erkrankungen.

Nightingale School of Nurses

Florence Nightingale gründete im Jahr 1860 schließlich die Nightingale School of Nurses (Krankenpflegerschule am St. Thomas Hospital in London). In diesem wurde Krankenpflege als Lehrberuf behandelt. Krankenschwestern wurden hier ausgebildet. Dabei kam auch ihr Ansatz zur Geltung, die Pflege ganzheitlich zu betrachten. Nicht die Krankheit einer Person wurde isoliert betrachtet, auch das Drumherum wurde zur Kenntnis genommen und in der anschließenden Behandlung berücksichtigt. Schließlich konnte eine Krankheit auch Ergebnis der Lebensumstände, des guten oder schlechten Essens sein und erst Recht die Folge von hygienischen Umständen. So gehörte Florence Nightingale zu den Menschen, die immer wieder Betonte, wie wichtig Hygiene ist. Und das in einer Zeit, in der gerade erst Ignaz Semmelweis darauf hingewiesen hatte, dass die schlechten hygienischen Zustände in den Krankenhäusern sowie die mangelhafte Sauberkeit und Desinfektion der Ärzte mit Ursache für die hohe Zahl an Frauen waren, die in Folge von Kindbettfieber starben. Seine Erkenntnisse, die noch lange kein Standard waren, hatte der Chirurg und Geburtshelfer in den 1840er Jahren gesammelt.

Lehrbuch für Krankenschwestern

Ihre reichen Erfahrungen auch aus dem Krimkrieg flossen in dem ersten Lehrbuch für Krankenschwestern ein, dass sie schrieb. Hier sammelte sie ihre Erkenntnisse zur Pflege.

Nightingales Einfluss reichte weit

Florence Nightingale hatte mit ihrer Arbeit auch Henri Dunant beeinflusst, der im Jahre 1864 das Rote Kreuz gründete. Der Schweizer hatte 1859 während einer Geschäftsreise erfahren, wie schlecht Schlacht versorgt bzw. nicht versorgt worden waren. In der Folge schrieb er zunächst ein Buch und gründete schließlich das Internationale Komitee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege (seit 1876 Internationale Komitee vom Roten Kreuz). Die ebenfalls 1864 beschlossene Genfer Konvention (mit Regeln, die die Lage von Verwundeten verbessern sollte) ging ebenfalls auf Henri Dunant zurück. Allerdings soll auch nicht verschwiegen werden, dass sich Florence Nightingale durchaus auch kritisch zu Dunants Ansinnen äußerte. Sie war die Meinung, dass die von Dunant vorgeschlagene Hilfsgesellschaft (das spätere Rote Kreuz) eine Aufgabe übernehmen würde, die den Regierungen oblag.

Frauenemanzipation?

Töchtern aus gutem Haus oblag es im 19. Jahrhundert zu heiraten. Fanden sie keinen Ehemann blieben nur schlecht bezahlte Arbeiten wie der einer Gouvernante. Florence Nightingale hatte sich diesen Zwängen als Frau entzogen und selbst einen Beruf ergriffen, mit dem ihre Familie nicht einverstanden gewesen war. Sie hatte mehr als ihre Möglichkeiten genutzt und konnte so ein eigenes Leben führen. Und obwohl sie so viel für sich geschaffen hatte, war sie keine Frau, die für die Frauenemanzipation eintrat. Während andere Frauen, die an Heilberufen interessiert waren, versuchten Medizin zu studieren, hatte Florence Nightingale hierzu eine Meinung: Medizin zu studieren, empfand sie als unweiblich. An der Frauenemanzipation war sie wohl wenig interessiert. Ihr Interesse galt es sich für die Verbesserungen der Bedingungen innerhalb der Gesundheitsfürsorge einzusetzen. Dazu sammelte sie nach dem Krimkrieg auch viele Daten, weswegen sie auch als Statistikerin geführt wird. Zumal es ihr auch gelang, Statistiken visuell zu veranschaulichen.

Wobei Florence Nightingale ihre Meinung bezüglich weiblichen Ärzten wohl änderte. Sie hatte selbst am Ende ihres Lebensweg Ärztinnen an ihrer Seite.

1910 starb Florence Nightingale schließlich im englischen London.

Zusammenfassung Biographie Florence Nightingale

Florence Nightingale war Krankenschwester, Statistikerin, Begründerin der modernen westlichen Krankenpflege, Reformerin des Sanitätswesen, Reformerin der Gesundheitsfürsorge (in Großbritannien). Ihr Ruhm gründete zum einen auf ihren Einsatz im Krimkrieg, und eben auf ihre Schriften und Veröffentlichungen. In diesen vertrat sie die Auffassung, dass es neben dem ärztlichen Wissen auch ein eigenständiges pflegerisches Wissen geben sollte. Dazu kam ihr Schriftverkehr. Aus dem Krimkrieg selber war Nightingale krank zurückgekehrt und führte von da an auch ein eher zurückgezogenes Leben in London. Dennoch erreichte sie das 90. Lebensjahr.

Geboren wurde sie am 12. Mai 1820 in Florenz (Großherzogtum Toskana). Sie starb am 13. August 1910 in London (England).

Mehr von und über Florence Nightingale zum weiterlesen

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im Web: Florence Nightingale.Ausführliche Biographie.

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